Der Besucher betritt die Kirche durch das Hauptportal an der Westseite des Turmes. Im Zuge der Renovierungs- und Neugestaltungsmaßnahmen der sechziger Jahre verschwand wegen der Umgestaltung der Orgel- und Sängerempore leider die bis dahin über eine Wandtreppe in der Südmauer des Turms zugängliche und noch von Dr. Georg Wilhelm Holzinger 1962 beschriebene Turmkapelle. Dabei war der unscheinbare kreuzgratgewölbte Raum im ersten Obergeschoss des Turmes gerade für Leuscheid als Vogteisitz von großer Bedeutung, zumal sich hier mit einiger Wahrscheinlichkeit außer einem Altar die Truhe mit den Weistümern befunden hat. (Gewohnheitsrecht, erst vom 13. bis 16. Jahrhundert schrieb man diese Gewohnheitsrechte auf und nannte diese Niederschrift „Weistum", da es dem Recht den Weg „weisen" sollte. Die meisten Weistümer handeln über das Verhältnis des Grundherrn zu seinen hörigen, lehnspflichtigen Bauern.) Da im Mittelalter in der Regel der Eid auf einen Altar geschworen wurde, fanden die Gerichtsverhandlungen häufig in der Turmkapelle statt. Sie war oft dem Erzengel Michael als Beschützer gegen die Macht des Bösen geweiht und wurde gern zu Zeiten der Anwesenheit des Landesherrn als fürstliche Privatkapelle genutzt. Zugleich diente dieser hochgelegene, eingewölbte und daher besonders brandsichere Raum, wie Holzinger in seiner Dissertation ausführt, als Schutz- und Zufluchtsstätte der Bevölkerung in Kriegszeiten, was im Grenzdorf Leuscheid wahrscheinlich nicht selten vorkam!

Durch die Verlegung des Aufgangs aus der Südmauer in die Turmhalle wurde auch das ursprüngliche Kreuzgratgewölbe der Turmhalle zerstört, stattdessen eine moderne Flachdecke eingezogen. Der ursprüngliche Charakter der gewölbten Turmeingangshalle ging somit verloren. Von Westen fällt der Blick in das Langhaus und das flach gedeckte Mittelschiff, dessen schwere romanische Pfeiler heute kämpferlos sind. Die Kämpfer sind offensichtlich erst während der Restaurierungsarbeiten 1963-1967 entfernt worden, wie alte Aufnahmen aus der Zeit vor dieser Renovierung beweisen.

Das Mittelschiff öffnet sich in großen Arkaden zu den niedrigen Seitenschiffen, die in den sechziger Jahren mit Kreuzgratgewölben versehen wurden. Der Chor, das Querhaus und die im Süden angrenzende heutige Sakristei weisen ebenfalls gratige, spitzbogige Gewölbe auf. Die Sichtbogenfenster des Obergadens, der Seitenschiffe, der Turmhalle und der Sakristei können nicht von der alten romanischen Anlage stammen. Tatsächlich kam es in den Jahren 1852/1853 zu einer umfassenden Restaurierung, über deren Maßnahmen uns der damalige Pfarrer Gottfried Müller in seiner im Gemeindearchiv befindlichen Chronik informiert: Nach seinem Bericht ist das ältere romanische Langhaus im Jahre 1852 in seiner Höhe dem gotischen Querhaus angepasst worden, womit natürlich eine Vergrößerung der Obergadenfenster verbunden war.

Das ursprünglich an der Nordseite befindliche Portal hatte man zugemauert und dafür drei kleine Fenster in das Schiff gebrochen. Alle Fenster der Kirche wurden erneuert und neu verglast. Die alte ungebrauchte Tür unter dem großen Turm wurde wieder zum Haupteingang. Ein schlichtes romanisches Portal an der Südseite, das Müller ebenfalls erwähnt, blieb als Nebeneingang bestehen. Es wurde um 1900 noch von Dr. Paul Clemen (Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 1910) beschrieben und erst während der Restaurierung von 1963-1967 vermauert.