Evangelische Kirche Herchen

4. Reformationsgottesdienst 2016 in Eitorf

Kronjuwelen des Glaubens - Rechtfertigung allein durch Glauben

Vierter gemeinsamer Reformationsgottesdienst in Eitorf

In einer gut gefüllten Eitorfer Kirche fand am 31. Oktober der mittlerweile vierte gemeinsame Reformationsgottesdienst der drei Kooperationsgemeinden statt. Gestaltet von den drei Pfarrerinnen Anne Petsch, Dorle Böttcher und Ulrike Ritgen war es ohne Zweifel anlässlich des 500jährigen Jubiläums der Reformation und dem Beginn des Luther-Jahres ein ganz besonderer Gottesdienst. Abwechslungsreiche musikalische Begleitung und Gestaltung erfuhr der Gottesdienst durch die drei Chöre mit insgesamt 33 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Walter Rekowski und Markus Wolters. Dafür ganz herzlichen Dank.

Rechtfertigung allein durch Glauben

In der Predigt legte Pfarrerin Ulrike Ritgen sieben Verse aus dem dritten Kapitel des Römerbriefes aus, die sie als die Kronjuwelen des Glaubens beschrieb und in denen Martin Luther Antworten auf seine quälenden Fragen und Zweifel erhielt. Er findet endlich zu dem liebenden Gott.

22: Ich aber rede von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.

23: Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, ...

Die zentrale Frage aus der Zeit Martin Luthers nach einem gnädigen Gott läßt sich mit den Worten des Römerbriefes ganz einfach beantworten: Du bist schon längst ein geliebtes Kind Gottes. Kein Mensch muß sich die Gnade erst verdienen.

24: ... und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Die heutigen zentralen Fragen der Menschen richten sich aber weniger nach einem gnädigen Gott, sondern vielmehr nach dem Umgang mit eigenen oder fremden Ansprüchen, denen wir nicht zu genügen glauben. Oder nach Fragen im Umgang mit Ängsten, Sorgen und Nöten, sei es in der Familie, im Beruf, bei Eltern gegenüber den eigenen Kindern - überall im Streben nach Perfektionismus und vor dem Hintergrund unausgesprochener und vermeintlich richtiger Normen und Werte.

Und dann begegnet diese Angst dem Licht des (Predigt)Textes, in dem sich Gott erschließt, weil er den Menschen entgegenkommt mit den Worten:

„Du bist mir recht, weil ich dich liebe - auch wenn deine Angst dich unsicher macht.“

Und auf dem Weg und der Frage nach dem Sinn des Lebens gelangen wir dann zu der Erkenntnis:

„Unser Leben hat schon einen Sinn, weil wir leben ... Der Sinn des Lebens besteht darin, mit unseren Halbheiten, mit all dem Fragmentarischen in unserem Leben, mit Anderen gemeinsam zu leben.“

Solche Worte, den Glauben rechtfertigend, treffen aber nicht nur die Augen, sondern berühren das Innere und gehen tief ins Herz. Erreichen sie den Menschen dort, entsteht Gemeinschaft mit und vor Gott.

„Aus unserm Glauben dürfen wir lernen, daß wir Fragment sein können, bruchstückhaft, und unser Leben trotzdem Sinn macht ...“

Das Bewusstsein, in einer Gemeinschaft zu leben, in der jede und jeder sich traut, diese Gemeinschaft mit seinen Halbheiten zu bereichern, macht das Leben nicht schmerzfrei, aber leicht. In dieser Leichtigkeit kann dann auch unsere Fantasie wachsen, die Gegenwart gemeinsam im Glanz der Liebe Gottes zu gestalten.

Nach dem Gottesdienst lud die Eitorfer Gemeinde zum gemeinsamen Beisammensein bei Zwiebelkuchen und Federweißer ein. Ein Großteil der Gottesdienstbesucher folgte der Einladung und so klang der Reformationstag 2016 in gemütlicher und geselliger Runde aus.

Mario Gatzmanga