Alt-Text

Geschichte

Südöstlich von Herchen liegt am linken Ufer der Sieg auf einer Anhöhe des Westerwaldes das Dorf Leuscheid. In der erwähnen Urkunde von 1131 heißt es „Liuuenskeit“, 1607 als „Luschid“. Nach Dittmeyer enthält der Ortsname den Personennamen „Liuvo“, während der Bestandteil „scheid“ soviel wie Wasserscheide oder Bergriegel bedeutet. 1131 als Besitz des Cassiusstiftes Bonn erwähnt, taucht es um 1300 im „Liber Valoris“ auf, gefolgt von „Rospe Capella“, was wohl zu Recht als eine Abhängigkeit Rosbachs von der Mutterkirche Leuscheid gedeutet wird.

Kollator war nach dem „Liber Collatorum“ der Probst des Cassiusstiftes, im 16. Jahrhundert nach Monaten wechselnd mit den Grafen von Sayn.

Die Grenzlage hat das Dorf in besonderer Weise geprägt. So war Leuscheid auch Sitz einer Vogtei. In grenznahen Gebieten kam den Vogteien die besondere Aufgabe der Schlichtung von Grenzstreitigkeiten zu. Vogt war in der Regel der Landesherr. Vermutlich gelangte die Leuscheider Vogtei 1363 im Zusammenhang mit dem Amt Blankenberg an das inzwischen zum Herzogtum erhobene Haus Berg, obwohl das Kirchspiel Leuscheid ebenso wie das benachbarte Kirchspiel Hamm zur Grafschaft Sayn gehörte.

Am 23. Januar 1447 verpfändet Herzog Gerhard zu Jülich-Berg die Leuscheider Vogtei an Dietrich Graf zu Sayn. Die ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich innerhalb der Leuscheider Vogtei eine Reihe von bergischen Dienstmannsgütern befand und ganze Orte und Ortsteile bergisch blieben, so dass zahllose Rechtstreitigkeiten vorprogrammiert waren, die durch immer neue Landleitungen (Grenzbegehungen) geschlichtet werden mussten. Leuscheid war oft Sitz und Tagungsort der so genannten „gütlichen Tage“, welche zur Klärung des unsicheren Rechtszustandes beitragen sollten. Zeitweise verlief die Grenze zwischen Berg und Sayn sogar mitten durch den Leischeider Pfarrhof! Die Herzöge von Berg, unterstützt durch listige Amtmänner und Rentmeister zu Windeck, verstanden es geschickt, ihren Macht- und Einflussbereich in der Saynischen Enklave auszubauen, bis schließlich durch den Siegburger Verglich 1607/1609 Leuscheid endgültig in bergischen Besitzt überging.

Die Grenzlage hatte zur Folge, dass in der Gemeinde Leuscheid noch stärker als in anderen Gemeinden dieser Gegend reformatorische und gegenreformatorische Bestrebungen einander abwechselten. Durch Erlass des Grafen Adolf V. von Sayn wurde schon1560 das Luthertum zur Staatsreligion in den saynischen Ländern erklärt. Mit dem Sendtag zu Marienstatt am 22. April 1562 dürfte somit auch in Leuscheid die Reformation eingeführt worden sein, was jedoch nicht ausschließt, dass für die bergischen Untertanen nach wie vor der katholische Gottesdienst gefeiert wurde. Im Rahmen der „Bergischen Erkundigungen“ berichtet der Pastor Adam Langenbach am 26. Juni 1582, die Grafen von Sayn hätten ihn vor  17 Jahren eingesetzt mit der Anweisung, „beider Herren Leuten zu dienen wie von alters.“

Die Leuscheider Kirche besaß eine Vikarie „Beatae Mariae Virginis“, als deren Kollatoren im 16. Jh. Die (katholischen) Herren von Nesselrode auftraten, die ihrerseits mit der Bedieneung der Vikarie den katholischen Dattenfelder Pfarrer Robens sowie auch später dessen Nachfolger Petrus Braun betrauten. Robens, der bereits 1608/1609 während einer kurzen Vakanz die Leuscheider Pfarrei innegehabt und vergeblich versucht hatte, die Gemeinde zum Katholizismus zurückzuführen, nutzte nun seine Stellung als Verwalter der Vikarie, um im Jahre 1640 mit Hilfe des Amtmanns v. Nesselrode die Leuscheider Altargüter einziehen zu lassen und auch die mit der Vikarie verbundenen Renten zu Kuchhausen und Kocherscheid an sich zu nehmen. Die Kirche allerdings blieb in der Hand der Lutheraner, was durch den Religionsvergleich von 1672 noch einmal ausdrücklich bestätigt wurde.

Im Jahre 1715 wurde schließlich die neue katholische Kirche zu Leuscheid erbaut. Wie aus der Chronik der Familie Moes hervorgeht, hatte die katholische Gemeinde zuvor ihren Gottesdienst „in dem unter dem Kirchhof östlich gelegenen Hause, welches einst Heinrich Otto zugehörte“, gefeiert.